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Kays Sorglos-in-Paraguay-Geheimtip

Wie ich bereits erwähnt habe, ist das Justizsystem in Paraguay EINE KATASTROPHE. Es reicht oft schon aus, daß andere denken "da ist was zu holen", um plötzlich die unsinnigsten Klagen am Hals zu haben. Netterweise wird dann meist gleich ein Embargo auf Grundstücke/Konten etc. verhängt, d.h. es wird bis zur Klärung der Streitfragen gesperrt, Zugriff unmöglich.

Ein weiteres "Problemchen" tritt im Todesfall auf: die sucesión. In Paraguay kann man nur durch ein Gerichtsurteil zum Erbschein kommen, d.h. man benötigt zwingend einen Anwalt - und der frißt zwischen 3 und 20% (!!!) des Erbes (je nach Größe). Kein Wunder, daß die sich darum reißen...

Nun, für beide Fälle gibt es eine (relativ einfache) Lösung. Die heißt PODER ESPECIAL AMPLIO IRREVOCABLE. Das bedeutet, man läßt sich von einer dritten Person, die nicht in PY lebt, eine unwiderrufliche Generalvollmacht ausstellen. Dies setzt natürlich 100% Vertrauen voraus, ist also meiner Meinung nach nur im engsten Familienkreis möglich. Ich hatte eine solche Vereinbarung mit meinem Bruder und bin damals sehr gut damit gefahren. Der Trick dabei ist ganz einfach: was einem nicht gehört, kann einem nicht genommen werden!

Man geht folgendermaßen vor: von betreffender Person läßt man sich, am besten gleich in Paraguay, von einem Notar in Asu (oder einem vertrauenswürdigen vor Ort, der es nicht überall herumerzählt), eine solche Vollmacht ausstellen. (Es ist jedoch auch in D möglich, dann muß man eine beglaubigte Übersetzung anfertigen lassen und über das Generalkonsulat von PY bestätigen lassen). Dadurch hat man in allen Belangen die gleichen Rechte wie ein "normaler" Eigentümer: man kann im Namen der betreffenden Person Immobilien, Autos etc. kaufen oder verkaufen, Steuern zahlen usw. Hat man bereits gekauft, läßt man die Immobilie auf den Namen der betr. Person übertragen, ein "Scheinverkauf" sozusagen. Das verursacht ein paar Kosten, aber die sind jeden Guaraní wert!

Am besten läßt man betreffende Person auch gleich ein (oder sogar mehrere) Bankkonten eröffnen und sich darüber eine Vollmacht ausstellen. Dort kann man dann seine (Not)Groschen parken und kann getrost lachen, wenn einem das laufende Konto, auf dem nie mehr als vielleicht 1.000.000 Gs sind, gesperrt wird.

Und auf die Gefahr hin, nun der Paranoia bezichtigt zu werden: Persönliche Verhältnisse sollte man nie an die große Glocke hängen, solche Dinge erzählt man besser niemandem in PY! Manchmal ist es z.B. besser, als armes Rentnerpaar mit kleiner Pension zu gelten, als als gut betuchte Senioren, was vielleicht eher den Tatsachen entspricht. Weniger Schein als Sein ist die Devise.. mögen die Geier ruhig  über einem anderen potentiellen Opfer kreisen!!

 

Da war doch noch was...
Hier noch ein paar kleine Anmerkungen

Paraguay- Infos im Internet

Was mich wirklich erstaunt und entsetzt sind die Wortmeldungen auf Kindergartenniveau einiger Leute in den einschlägigen Foren im Internet. Da packt man gern mal die Verbalklatsche - garniert mit Fäkalsprache - aus gegen jeden, der PY kritisiert. Etwa: "Wir sind schon 7 Monate drüben. Alles super!!! Ihr Ärsche habt bloß nicht den Mumm, auch rüberzuziehen!" Die Antworten erspare ich mir jetzt, vom Info Gehalt her sind die auch nicht besser.
Sinn und Nutzen ist hier eigentlich kontraproduktiv: Statt mit neutralen Informationen wird ein Auswanderwilliger mit einer Art "Glaubenskrieg" konfrontiert, bei dem er jetzt, von den unsachlich geführten Diskussionen verwirrt, irgendwie Stellung beziehen muß. Wem soll man jetzt glauben und vertrauen??? Ich rate dazu, ruhig im Hintergrund mitzulesen, sich vielleicht auch Notizen zu manchen Themen zu machen und sich lieber vor Ort selbst ein Bild der Situation zu machen. Viele nutzen eben die scheinbare Anonymität des Internets, um haufenweise rechtslastigen oder testosterongesteuerten Humbug zu verkünden, der die Realität allenfalls stark verfälscht wiedergibt.

In anderen Foren ist das Sprachniveau vielleicht höher, dafür handelt es sich zumeist um sog. "RosaRoteBrillen-Foren" (RRB) mit dem Grundton: "Alles super, PY das Paradies, alle Probleme lösbar, Kritiker sind neidische Miesmacher." Hinter vielen dieser Postings (oder sogar hinter dem ganzen Forum) steckt dann ein Einwanderungshelfer und/oder eine Maklerfirma, der potentielle Kunden anlocken will. Sachlich geäußerte Kritik - z.B. von mir - wird manchmal lieber gar nicht veröffentlicht *grins*. Jaja, die Pappenheimer.. Man sollte also aufpassen, daß man nicht den ach-so-seriösen Forenmitgliedern in die Hände fällt, die wollen auch nur Euer Bestes: Eure schwerverdienten Kröten!
 

 Männerland Paraguay

Ich möchte an dieser Stelle meine Geschlechtsgenossinnen einmal deutlich warnen: Paraguay ist eigentlich kein Frauenland. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, einige davon habe ich schon im Gästebuch genannt. Wirklich prekär wird die Situation aber erst bei einer Trennung: Frauenberufe sind schlecht bezahlt, der ExMann verweigert meist den Unterhalt und die guten Partien sind meist schon mit 20 vergeben. Wer über kein eigenes Vermögen verfügt, steht dann bald wie ein begossener Pudel mit dem Köfferchen in der Hand auf einem deutschen Flughafen und weiß nicht, wie es weitergehen soll, während der liebe Ex schon seine 15jährige Freundin geschwängert hat.
Ich weiß, es klingt polemisch, vielleicht ist es das auch. Aber nichtsdestotrotz passiert es häufiger, als man vielleicht annehmen möchte. Besonders als Frau tut man daher gut daran, sich ein Hintertürchen offen zu halten!
 

 Auswandern mit Kindern

Kindern gefällt es meist ausgesprochen gut in PY. Ihnen macht der Dreck nichts aus und sie finden es toll, immer draußen zu sein, viele Tiere zu haben.. All die Dinge eben, die das Leben dort schön machen. Allerdings kann man mit Schulkindern nur in Asunción wohnen. Natürlich gibt es auch woanders "deutsche" Schulen, sogar mit Deutsch-, Englisch- und Computerunterricht. Es ist trotzdem nicht mit unserem System vergleichbar und wer seinem Kind nicht die Zukunft verbauen will, kommt um den Wohnsitz in Asu nicht drum rum. Ein deutsches Abi kann das Kind allerdings auch dort nicht erwerben - manche Deutsche schicken ihren Nachwuchs daher die letzten 2 Jahre auf ein Internat nach Deutschland.
Deutsche, die in die "Pampa" ziehen und ihr Kind auf eine Feld-Wald-und-Wiesen-Schule schicken, handeln meiner Ansicht geradezu kriminell, da sie ihren Kindern den Rückweg in die Heimat beinahe unmöglich machen.
 

 Als Rentner nach Paraguay?

Warum eigentlich nicht? Man erhält seine Rente aus Deutschland, womit eine der größten Hürden - das Einkommen - schon umschifft wäre. Wer gern im Garten kraudert, das beschauliche Leben liebt und "hitzeresistent" ist, kann sich da durchaus wohl fühlen.
Wer dagegen Kultur braucht, auf's deutsche Fernsehen nicht verzichten möchte oder Unternehmungen mit Gleichgesinnten liebt, dem gefällt es wahrscheinlich eher weniger. Das kann aber wie immer nur jeder für sich selbst entscheiden.
Problematisch wird es erst beim Thema Krankheiten: Die Ärzte und Kliniken haben nicht den deutschen Standard und auch längst nicht die Möglichkeiten. Man sollte daher einmal im Jahr in Deutschland eine Komplettanalyse machen lassen und auch größere Eingriffe nach Möglichkeit nur hier vornehmen lassen. Und sich auch beizeiten überlegen, was man machen will, wenn z.B. Bettlägrigkeit droht. Es gibt keine adäquaten Altersheime, Pflegeheime oder Sterbehospize, und wer sonst keine Angehörigen im Land hat, muß dann eben eine Rückkehr nach D in Erwägung ziehen.
Alles in allem heißt das, daß man besonders im Alter seine Zelte in der alten Heimat nicht völlig abbrechen sollte und vor allem die deutsche KV beibehalten muß, um sich den Rückweg offen zu halten. KVs gibt es übrigens auch in PY, sie sind jedoch nach einem ganz anderen System gehalten, gelten nur für bestimmte Vertragsärzte und -kliniken und man muß für Behandlungen/Medikamente oft zuzahlen. Darüberhinaus habe ich gerüchteweise gehört, daß manch einem schon kurzerhand gekündigt wurde, der schwer erkrankt war.